Auch hier ist das Krippenwesen zu Hause
Einen Radiobeitrag über die Stegmaier-Krippe gibts hier zum Nachhören!
Der Tegernsee, ähnlich gelegen wie im Salzkammergut der Traunsee, vom Süden gegen den Norden fließend mit reizvollen und geschichtsträchtigen Orten umgeben und sogar die Stadt am nördlichen Ende hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Vergleichsstück im Salzkammergut. Heißt die Stadt am nördlichen Abschluß am Traunsee „Gmunden“, so begnügt man sich am Tegernsee schlicht mit „Gmund“. Bereits bei der Mündung im Süden gibt es schon verblüffende Ähnlichkeiten: Heißt der Ort am südlichen Traunsee „Ebensee“ so könnte man das Gegenstück am Tegernsee mit „Egern“ vergleichen, vielleicht besser bekannt unter dem Doppelnamen Rottach-Egern.
Einen markanten Unterschied gibt es aber doch zwischen dem Tegernsee und Traunsee: Eine bequeme Umrundung ist nur am Tegernsee möglich. Und das sogar mit dem Auto! Und genau am nicht vergleichbaren Punkt der beiden Seen liegt der namensgebende Ort „Tegernsee“. Ein reger Ort, man sagt, es sei die kleinste Stadt Oberbayerns, doch diese Stadt hat viel zu bieten. Man mag jetzt an den Spruch denken „klein aber oho!“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Es ist so etwas wie ein Zentrum, kulinarisch wie auch kulturell, womit wir schon beim Kern der Sache sind – kulturell.
Eine spezielle Krippe, die Stegmaier-Krippe ist hier beheimatet, die seit dem Jahr 1981 durch die Krippenfreunde Tegernseer Tal nach Tegernsee gekommen ist, nachdem sie bereits eine bemerkenswerte Geschichte erlebt hat.
Jahre später, erlebt diese wundervolle Krippensammlung wieder, eine noch bemerkenswertere Geschichte: sie ist selbst auf Herbergssuche! Die zuletzt genützten Räumlichkeiten im Pfarrzentrum Quirinal wurden brandsicherheitstechnisch nach einem Umbau neu bewertet und die Ausstellungsräume für den öffentlichen Zugang gesperrt. Eine unlösbare finanzielle Herausforderung für den Verein, die jede Grenze bei weitem sprengt. Und so schlummert das Kunstwerk der Stegmaier-Krippe im Dunkeln vor sich hin und alle Initiativen, eine neue Bleibe zu finden, verliefen bislang sprichwörtlich im Sande.

Ein Auszug aus der Beschreibung in der Vereinschronik des Vereins Krippenfreunde Tegernseer Tal:
Ein nach der Jahrhundertwende bekannter Krippenfreund und Sammler im Tölzer Raum war der 1893 geborene Spenglermeister Josef Stegmaier. Ihn faszinierte die Gestaltung von Krippen, so dass er bald Verbindung zu Oberammergauer und Münchner Schnitzern fand. Allmählich wurde der Mittelpunkt seiner Krippenaktivitäten das Sammeln von Krippenfiguren, das Entwerfen neuer Krippen und die Ausarbeitung ganzer Krippenanlagen. Vor dem 1. Weltkrieg erwarb Stegmaier von dem Tölzer Zimmermann Franz Hammerl einige Krippenfiguren. Der Schnitzer Fritz aus Marienstein, ein Oberammergauer Schüler und der Münchner Schnitzer Anderl fertigten ihm Figurenteile. Landschaft, Architektur und Gebäude der Krippe stellte Stegmaier selbst her. Auch Bäume, vornehmlich Palmen, unzählige Gerätschaften und Zubehörteile waren Stegmaiers Werk. Die Bekleidung der Figuren übernahm Elisabeth Stegmaier in sorgfältiger Arbeit. Josef und Elisabeth Stegmaier haben über 30 Jahre an dieser Krippe gearbeitet.
Zum ersten Mal stellte Stegmaier diese Krippe 1953 in seinem Haus in Bad Tölz am Gries auf. Es war die Idee dieses einfachen Tölzer Handwerkers, eine große, schöne, wirklich bemerkenswerte Attraktion bildende Krippe selbst zu bauen und sie mit den geschnitzten Figuren bekannter und berühmter Schnitzer auszustatten.
Der Sänftenaufbau des 77 cm hohen Elefanten wurde wahrscheinlich von Josef Stegmaier selbst gefertigt. Die Krippe besteht insgesamt aus über 100 Figuren mit teilweise voll beweglichen Gelenken. 1965 wurde die Krippe zum letzten Mal in der Werkstätte Stegmaiers am Jungmayrplatz in Bad Tölz öffentlich gezeigt.
Im Jahr 1981 wurde die Stegmaier-Krippe vom Krippenverein Tegernseer Tal ersteigert und im Jahr darauf wieder erstmals am neuen Standort auf einer Grundfläche von etwa fünfundzwanzig Quadratmetern im ehemaligen königlich-bayrischen Amtsgericht, heute „Haus des Gastes“, in Tegernsee. Hubert Lehmeyer entdeckte und erwarb 1992 und 1994 einige Ziegen und einen Esel aus dem Krippenfundus der Stegmaiers in einem Münchner Antiquitätengeschäft sowie bei einer Auktion und konnte diese bei der Ausstellung 1995/96 einfügen, 1997 kam noch ein Löwenpärchen und 2002 ein Esel dazu. In einem extra dafür vorgesehenen Raum im Katholischen Pfarrzentrum Quirinal in Tegernsee, wurde die Stegmaier-Krippe 1993 neu aufgestellt und von da an im Abstand von 2 Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – allerdings nur bis ins Jahr 2016.
Durch einen Umbau wurde eine neue Brandschutzverordnung fällig und diese unterbindet den öffentlichen Zugang zur Krippe.
Somit ist diese Krippe – ein wahres Prachtstück – nun, wieder einmal, selbst auf Herbergssuche und deren Schicksal völlig offen. Nicht nur das Schicksal der Krippe selbst, sondern das des geamten Vereines Krippenfreunde Tegernseer Tal hängt am seidenen Faden!
Eine bedenkliche Situation für ein wertvolles, einzigartiges Kulturgut höchster Klasse…