Besondere Figuren, die man in Krippen findet
Ob es ein vollständiges Verzeichnis gibt, das alle Figuren in einer Krippe auflistet, weiß ich nicht und kann es mir auch nicht vorstellen. Insbesondere wenn ich da an die Kirchenkrippe in Wildalpen denke, wo zeitgenössische Personen als Krippenfiguren dargestellt sind. Umso interessanter sind die bekannten Figuren, speziell in den Landschaftskrippen im Salzkammergut, die vielfach Ansätze der „Mutterkrippe“, der Kirchenkrippe in Altmünster von Johann Georg Schwanthaler zu finden sind.
Ob die folgende Liste tatsächlich ident mit den personalisierten Figuren in Altmünster ist, wage ich zu bezweifeln, denn im Laufe der Jahrzehnte haben sich sicherlich Figuren dazugeschwindelt oder haben ihre Namen verändert, wie das Extrembeispiel zeigt: Der „Vada, lass mi a mitgeh“ wird auch als „Våta lass mi a mitgeh’n“ oder als „Voda lass mi a mitgehn“. Auch den Begriff „Vadà la mi à mitgehn“ habe ich gefunden. Zudem sei an dieser Stelle erwähnt, daß es sich bei den Figuren mit Namen zumeist um (Ebenseer/Salzkammergut) Landschaftskrippen handelt. In einer Viechtauer Krippe wird man diese namentlichen Figuren kaum finden!
Hier die von mir bislang erfaßten Figurennamen, die keineswegs eine Vollständigkeit garantieren:
Anbetender Hirt
Äpfelbrocker
Äpfelträgerin
Blinde Veitl
D’Muatta, lass mi a mitgeh
D’Resl mit an Buttakas
D’schen Bua
D’Soafnsiederin
Da Wunaliche
Die zwei Nachbarn
Einsiedler
Holzschuhmacher
Honigschlecker
Hussmelack
Kraxnträger
Lamplfütterer
Lampöfånga
Lampötraga
Lippal steh auf vom Schlof
Mehlsackltraga
Naz mit da Budahenn
S’Mirzal mit da Henn
Schalmei-Bläser
Schmied
Traubenträger
Trüfi-Weiba
Urbal mit der Leinwand
Vada, lass mi a mitgeh
Veigalstocktraga
Vogelfänger
Wiagaltraga
Und es soll heute tatsächlich noch Leute im Salzkammergut geben, die zu all diesen Figuren eine passende Geschichte wissen… Einer davon war der Franz Frey (5.6.1929 – 5.3.2023), begnadeter Schnitzer in Ebensee, der in seinem leider vergriffenen Buch „O Bruader, lieber Bruder mein…“ einige der für den Raum Ebensee bekannten Figuren beschrieben und schriftlich festgehalten hat. Dazu eine Geschichte, die mir der Franz bei einem seiner Besuche in meiner Krippenwerkstatt in Altmünster erzählte: Der Urbal mit der Leinwand – eine Figur, die oft verwechselt wird, so wie ihn die nebenstehende Abbildung zeigt. Von 10 Betrachtern sagen erfahrungsgemäß 9 voll stolz, das sei der „Vogelfänger“. Doch falsch geraten, das ist der Urberl, der seine Leinwand (Windel für das Jesulein) unter dem Arm gezwickt hat. Der Urberl mag schon unterwegs zum Neugeborenen gewesen sein, bis er sich entsinnte, daß solch ein kleines Stück Leinen doch viel zu „g’ring“ (wenig) als Gabe war, weshalb er dem Kindlein das bringen möchte, das dem typischen Ebenseer das Wichtigste auf Erden ist, nämlich sein Vogerl. Und darum wird, speziell in Ebensee der Urberl gar nicht so selten mit der Leinwand unter dem Arm und dem Vogelkäfig dargestellt.