Bauweise

So ist eine Viechtauer Krippe aufgebaut

Ja, sie ist wieder im Kommen, die Viechtauer Krippe und dafür gibt es einige Gründe: Sie hat Kultur, braucht wenig Platz und man kann sie in verschiedensten Größen bauen lassen. Eine Viechtauer Krippe sollte dabei aber in ihrer Struktur an die Original Viechtauer Krippen angelehnt sein, denn alles, was stärker abweicht, ist keine Viechtauer Bauweise mehr. Selbst die Figuren, die in den vielen noch erhaltenen Krippen der Viechtauer Bauart erhalten geblieben sind, gibt es ein paar Vorgaben, an die sich der verantwortungsvolle Krippenbauer und Figurenschnitzer halten sollte, um mit seinem Werk diese alte und schöne Tradition zu erhalten.
Im Bild links habe ich eine Originale Viechtauer Krippe festgehalten, die aus der Zeit um 1920 stammen dürfte und die die Schlichtheit, wohl aber auch den Glanz verdeutlicht. Tannenzweige im Hintergrund mit weißen oder silberfarbenen Girlanden verziert. Selbst diese Girlanden hier sind schon sehr alt und dürften aus den 1950er-Jahren stammen. Und so wie diese Krippe, gibt es speziell in unseren Bauernhäusern noch viele. Doch die Zeit nagt und es werden zusehends weniger, die ein solches Unikat tatsächlich ihr Eigen nennen dürfen.

Woran erkennt man eine Viechtauer Krippe sofort?
Am Grundriß
Der Grundriß einer Viechtauer Krippe geht in der Regel von einem Quadrat aus, das diagonal geteilt wird, also ein Dreieck (a, b, c) entsteht. Die Diagonalseite (b, c) ist die spätere Ansichtsseite oder Vorderseite der Krippe. Diese Diagonalseite wird leicht gerundet, sodaß diese Gerade eine leichte Biegung bekommt. Nun wird der hintere Spitz (a) auch noch gekappt und zwar um ein starkes Drittel, wenn man dies an der Höhe (h) des Dreiecks mißt. Hier sind Abweichungen immer möglich, ohne sich dabei von der Urform wirklich zu weit zu entfernen. Und das ist die eigentliche Grundform der Viechtauer Krippe.

Am Aufbau der Viechtauer Krippe
Eine Viechtauer Krippe braucht nicht viel Platz, die der kleine Viechtauer Keuschler einfach nicht hatte. Aber er hatte Ideen und Phantasie. So ist diese Art der Krippe ein echtes Landschaftswunder, das nur mit Naturmaterialien aufgebaut ist. Man nutzt dazu Schwemmholz, ausgetrocknetes Bruchholz, Rindenstücke und Moose. Mit dem Schwemm- und Bruchholz wird die grobe Landschaft gestaltet und mit Holzzapfen verbunden (eine Heißklebepistole hat auch hier nichts zu suchen!). Mit einem speziellen Krippenmörtel kann man einfach Lücken verschmieren und unter Zuhilfenahme von Rindenstücken schließen. Achtung! Nicht zu genau verschmieren, eine bestimmte Natürlichkeit soll erhalten bleiben!
Im mittleren Vordergrund soll immer ein freier Platz bleiben, wo später Hirten, Bauern und die Hl. 3 Könige Platz finden. Dieser Platz geht nach hinten über in eine Grotte oder einen symbolisierten Stall, wo Ochs und Esel, Maria, Josef und das Jesukindel Platz finden werden, um das Heilige Geschehen darzustellen. Über diesem Geschehen kann eine Alm gestaltet werden, die von der untersten Etage über steile Wege links und rechts erreichbar werden. Diese Wege müssen nicht wirklich begehbar sein und können vom natürlichen Maßstab durchaus abweichen. Es genügt, wenn diese symbolisiert angelegt werden und da und dort ein Platzerl bleibt, wo man später Figuren postieren kann.
Die Wände seitlich links und rechts werden innen in die Landschaft integriert und bilden nach hinten jeweils eine Verkleinerung für die Perspektive (Näheres etwas später). Auch hier ist eine Präzision abzulehnen, diese hatte für unsere Vorfahren kaum einen Wert und soll im Krippenbau auch heute nicht primär haben.

An der Art der Figuren
„Die Viechtauer waren zumeist Holzfäller und hatten Hände wie Baggerschaufeln“, heißt es da in einer Überlieferung, was auch begründet, daß die Figuren hier merklich klobiger und ‚primitiver‘ ausgeführt sind als vergleichsweise die schon bildhafte Darstellung bei den Ebenseer Figuren. Die Arme sind fast ausschließlich eingesetzt, in sehr alten Darstellungen wurden die Arme noch seitlich an den Körper geleimt. Präziser ging man da schon an die Heilige Familie heran, zumeist auch die Heiligen drei Könige, die wie die anderen Figuren geschnitzt wurden, die Arme eingesetzt, aber dann kommt erst der Umhang, der nicht geschnitzt ist, sondern mit aufgeweichtem, dünnen Karton und Leimwasser regelrecht geformt und angepaßt wird. Über die Fasstechnik (Bemalung) der Figuren gehe ich später ein.

An der Anordnung der Figuren
Es gibt Krippenväter, die einen bestimmten Wert auf die Standorte der Figuren legen. Ich persönlich habe keine diesbezüglichen Richtlinien erfahren, außer daß große Figuren im Vordergrund stehen, mittelgroße Figuren im Zwischenbereich und die kleinen Figuren ganz hinten und oben – und das wegen der vorher angesprochenen Perspektive. Somit weiß man jetzt, daß in einer Viechtauer Krippe im Regelfall drei verschieden Größen von Figuren aufgestellt werden. Die gängigsten Größen in den alten Viechtauer Krippen mit einer Seitenlänge von ca. 40-60 Zentimeter sind 3, 4,5 und 6 Zentimeter, die Heilige Familie und die Könige werden oftmals auch als 8 Zentimeter Figuren dargestellt.

An den Farben der Viechtauer Krippe
Die Hauptfarben an der Viechtauer Krippe sind ein dunkles Grün und ein spezielles Grau. Mit dem Grün wird die gesamte Krippe an den Wänden gestrichen, nicht aber die bereits aufgebrachten Hölzer und Rinden, die den grauen Anstrich erhalten. Dieses Grau ist mit einem leichten Blau versehen und war einst zusätzlich noch mit zerkleinerten Bruchstücken von Christbaumkugeln versehen, die die Charakteristik von glitzernden Felsen wiedergab.

Am Moos in der Viechtauer Krippe
Als letztes werden noch störende Lücken und spalten mit Moos ausgestopft, das im frischen Zustand eine Felsbegrünung darstellt, wenn es einmal welk geworden ist, wirkt auch das Braun recht gut. Und man kann ja immer wieder da oder dort die Moos-Stopfung erneuern. Ob nun auch auf den ebenen Stehflächen gepreßtes Moos kommt oder nicht, ist meines Erachtens Geschmackssache, in den meisten alteingesessenen Krippen wird dies verwendet, ich persönlich bin kein großer Freund der Moosdekoration, da das Sammeln der Moose ortsweise schon an eine Rodung erinnert und einen Eingriff in die Natur darstellt. Es gibt mehrere Möglichkeiten als Alternative!

wird demnächst fortgesetzt!

Die Kommentare sind geschlossen.