Produktion

Eigenständigkeit ist gefragt!

Mit der Digitalisierung, die sich natürlich auch in der Radioszene durchgesetzt hat, haben sich auch Möglichkeiten aufgetan, an die man sich noch vor wenigen Jahren kaum zu denken wagte. So ist, natürlich auch bem Sender „Freies Radio Salzkammergut“ die Eigenständigkeit äußerst gefragt.
Und wie diese Eigenständigkeit in der Sendungsproduktion, beim „Radiomachen„, wie wir auch sagen, aussieht, möchte ich hier zu schildern. Das Sendungmachen geschieht ja kaum mehr in einem klassischen Tonstudio, sondern kann durchaus zu Hause am PC erfolgen. Und daß die freie Mitarbeit natürlich auch honorarfrei, also ehrenamtlich ist, soll auch einmal gesagt werden, ebenso, daß es wahnsinnig viel Spaß macht, das Radiomachen!

Es gibt gesetzliche Vorgaben, an die sich jeder halten muß – auch ich als freier Mitarbeiter, und das ist gut so, denn so besteht wenigstens eine Ordnung, eine Ordnung, die die Grundlage für ein vernünftiges Zusammenarbeiten mit und an der Seite von anderen Medien bildet. Und außerhalb dieser Vorgaben hat man als Radiomacher freie Hand – wirklich freie Hand. Ich wähle mir die Themen meiner Sendungen „Ums Eck umi g’schaut“ völlig nach meinem Ermessen, setze das Format fest, suche mir meine Gäste und Interviewpartner aus und wähle die zu den Themen passende Musik aus meinem mittlerweile beachtlichen Musikarchiv.

Gedanklich bin ich mit meinen Sendungen etwa 1 Jahr im Voraus, denn bestimmte Themen kann man eben nur dann und dann vorbereiten und aufnehmen. Es hätte wenig Sinn, im August eine Adventsendung zu produzieren, da greife ich lieber auf die realistische Zeit zu und besuche Adventmärkte, Adventkonzerte und nehme dort authentische Interviews und Stimmungen auf, die auch nach 1 Jahr noch Aktualität und Realität besitzen. Und so geht es Jahr für Jahr, so lange ich nicht in den Bereich der „Live-Sendung“, also der Direktübertragung einsteige.

Das Jahresprogramm wird von mir erstellt, verschiedene Kriterien sind da für mich ausschlaggebend, so etwa die geografische Vielfalt, Themen die mich selbst interessieren, Menschen die mir wichtig sind und, und, und. Und dann wird der Kontakt geknüpft und einmal angefragt, ob auch die andere Seite „gesprächsbereit“ ist und wie und wann und wo man das Interview machen kann. Dann beginnt für mich die „heiße Phase“, die Zeit der Vorbereitung, die Festsetzung des Themas, die Entwicklung eines Fragenkataloges, die Terminplanung, wann diese Sendung am besten paßt. Und gut vorbereitet, wird das Interview über mein Aufnahmegerät geführt, meist in äußerst entspannter, gemütlicher und lockerer Atmosphäre, nach dem roten Faden meines Fragenkataloges, der eigentlich nichts anderes ist, als ein Notizzettel und die Grundlage für den anschließenden Schnitt der Sendung.

Mit diesen Daten ist eine wichtige Phase der Sendung bereits erledigt, denn anschließend erfolgt der Schnitt und die Zusammenstellung der Sendung nach folgenden Vorgaben: Sendedauer 1 Stunde +/- ein paar Augenblicke. Über ein spezielles Tonbearbeitungsprogramm wird der O-Ton (das Interview – der Originalton) eingespielt. Auf eine 2. Spur wird die Kennmelodie eingespielt und auf die dritte Spur kommen meine eigenen Kommentare, die sich ergänzend zum Interview ergeben, wie die Sendungsansage, die Musiktitel und andere Hinweise, die sich ergeben. Und auf eine weitere Spur kommen die Musiktitel, meist so an die 10 bis 12 Stücke, die zum Thema, zur Geographie passen sollen. Ja, und dann geht es ans Mischen der Sendung, was gleich einmal an die 4 Stunden dauern kann, je nachdem, wie ich das Interview geführt habe, was wieder aus meiner guten oder weniger guten Vorbereitung auf das Gespräch resultiert.

Mit der Zeit entwickelte sich das Gefühl für die Interviewlänge, damit möglichst viel von den interessanten Informationen verwendet und eingebaut werden kann. Meist wird aber das Gefühl beim Sendungsschnitt frei, 1 Stunde kann einfach nicht reichen, aber das ist eine Vorgabe, an die ich mich peinlichst genau halte, denn ich bin am Sonntag der erste, der auf Sendung geht. Und wenn ich Verspätung hätte, zieht sich das durch den ganzen Vormittag bis in den Nachmittag hinein durch – und das wäre unfair gegenüber meinen lieben und netten Kolleginnen und Kollegen der nachfolgenden Sendungen. Also wird die Sendung punktgenau in der Länge produziert, damit es da oder dort noch Spielraum gibt für Ansagen und Jingle.

Ist die Sendung so einmal fertig, ist sie aber noch nicht wirklich fertig. Jede Sendung wird von mir noch einige Male angehört, meist in meiner Schnitzerwerkstatt und auf mögliche Fehler oder Versprecher abgehört. Bislang blieb aber jede Sendung so, wie ich sie produziert habe ohne weitere Korrekturen, ein einziges Mal hat sich ein Ankündigungstermin kurzfristig ergeben, weshalb ich die Sendung noch einmal „aufgemacht“ und den Hinweis eingebaut habe.

Rund eine Woche vor dem Sendetermin wird die Sendung samt Informationen an das Studio in Bad Ischl geschickt, wo sie vom diensthabenden Redaktionsteam auf den Sendeserver gestellt und die Senderwebseite mit den Sendungsinformationen befüllt wird. Pünktlich am 1. Sonntag im Monat geht die Sendung um 8 Uhr „on air“ ins gesamte Salzkammergut und über Internet in die ganze Welt. Und ich sitze dabei mit meiner Frau beim gemütlichen Sonntagsfrühstück in meiner Wohnung und hören uns die Sendung quasi „live“ an – für meine Frau (fast) jedes Mal eine Premiere, denn sie darf vor der Ausstrahlung der Sendung (meist) nicht „naschen“.

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