Krippenarten

„Die Artenvielfalt bei den Krippen ist immens groß…“

Man kann es schnell übertreiben, wenn man Krippenarten aufzuzählen beginnt. So viele Arten von Krippen wird es doch wohl nicht geben – oder?
Gehen wir einmal davon aus, die Weihnachtskrippen in Arten einzureihen, die jeder kennt: Die Alpenländische Krippe und die Orientalische Krippe. Vielleicht auch noch die Winterkrippe und die Schwammkrippe sowie Krippen nach Motiv (z.B. Osterkrippe). Alles andere, wie Glaskrippe, Tonkrippe oder Zinnkrippe und was nicht noch alles, findet zumeist doch den gemeinsamen Nenner unter den beiden Hauptarten, also „alpenländisch“ oder „orientalisch“. Selbst die auf Adventmärkten eindrucksvoll dargestellt „Eiskrippe“ geht meist in Richtung „alpenländisch“ oder „orientalisch“. Je mehr man allerdings die Arten ‚zerpflückt‘ desto verwirrender, glaube ich, wird es. Ich probiere es einmal mit einer Listung nach eigenem Ermessen anhand von selbst kreierten und gebauten Beispielen. Erwähnen möchte ich aber dennoch die Papier- und Kartonkrippen, die es zu meiner Kindheit als Ausschneidebögen in der „Wunderwelt“ gegeben hat und eine solche meine tatsächlich erste Krippe war.

Alpenländische Krippe
Bei dieser Krippenart handelt es sich um eine heimische Bauweise, wie sie in unseren Breiten sehr häufig anzutreffen sind. Ein, meist verfallener, Stall in ländlicher Umgebung aus Holz gebaut, Berge und Almen aus Rinden oder anderen Stoffen, zieren das idyllische Bild in seiner Gesamtheit. Die Figuren dazu sind ebenfalls der Region – meist – angepaßt. Der Ursprung der Alpenländischen Krippe liegt in der einstigen Unwissenheit und Uninformiertheit der Krippenbauer, wie es dort aussieht, wo Jesus einstmals geboren ist (als typisches Beispiel von der damaligen Uninformiertheit ist etwa die bekannte Elefantendarstellung in der Schwanthalerkrippe in Altmünster zu sehen). Also wich man mit der Gestaltung auf die unmittelbare Heimat aus, die man kannte und zu schätzen wußte und liebte. In vielen der Ebensee-Krippen kann man sogar alte Gebäude, ehemalige Wirtshäuser oder gar einst wirklich lebende Personen klar erkennen.

Orientalische Krippe
Eine ebenfalls sehr verbreitete Art von Krippe ist die im orientalischen Stil. Gemäuer, Türme, verfallene Paläste, eine Wüste mit Dünen im Hintergrund lassen dem Krippenbauer eine riesige Freiheit beim Gestalten dieser Krippenart. Die Färbung der Krippe ist in einen warmen Farbton gehalten und gibt jenen Betrachtern recht, die meinen, Jesus wäre ohnehin in orientalischer Umgebung geboren und nicht irgendwo auf unseren Almen. Eine Vermischung von Alpenländischer Krippe und Orientalischer Krippe findet man in den typischen „Viechtauer Krippen“, wo der Vordergrund mit dem Hauptgeschehen alpenländisch ist und der erhöhte Hintergrund eine orientalische Stadtlandschaft bildet.

Landschaftskrippe
Die Landschaftskrippe in seiner typischen Form kann man mit Ebensee im Salzkammergut sehr gut in Verbindung bringen. Hier erreichen die Landschaftskrippen Ausmaße von 3-5 Metern und gehen gleich einmal so an die 2 Meter in die Tiefe. In dieser Krippenform ist oft das örtliche Leben integriert und vielfach findet sich unter den sorgfältig geschnitzten Figuren ein Bekannter oder sogar der Schnitzer selbst vor einem tatsächlich (einst) vorhandenen markanten Gebäude des Ortes. Diese Krippen können, teilweise, im Zuge der „Kripperlroas“ besichtigt werden. Die Abbildung zeigt das Modell einer Landschaftskrippe (1:10) mit selbstgemalter Hald und natürlich selbstgeschnitzten Figuren (Josef = 17 mm). Dargestellt wird hier von links die Verkündigung Mariä, die Herbergsuche, die Geburt Christi und die Flucht nach Ägypten. Den rechten Abschluß bildet eine Passion und spannt damit einen weiten Bogen um das Leben Christi.

Schwammkrippe
Diese Krippenart ist eine eher seltene Darstellung, da hier eher kleine Figuren nötig sind, die wiederum von den Schnegerern eher selten gefertigt werden wollen. Die Basis für die Schwammkrippe bildet ein Baumschwamm, wie er, zumeist in Laub- und Mischwäldern gar nicht so selten vorkommt. Darauf wird das Krippengeschehen dargestellt, ein Stall zumeist angedeutet. Je nach Größe des Baumschwammes kann auch eine Almlandschaft mit Hirten und Getier integriert sein.

Winterkrippe
Eine eher seltene Krippendarstellung ist jene als Winterlandschaft, zwangsläufig im alpenländischen Stil, da Schnee im Orient ja kaum vorkommt. Ob die Winterkrippe daher als eigene Krippenart anzusehen ist oder eher in den Bereich der ‚Alpenländischen Krippen‘ einzureihen ist, ist Anschauungssache und offiziell nicht unbedingt festgelegt.
Für den Krippenbauer bedeutet eine Winterkrippe in jedem Fall eine besondere Herausforderung, wenngleich die Mittel, die einem heute zur Verfügung stehen, vieles erleichtert.

Kastenkrippe
Sehrwohl eine eigene Art von Krippen ist die Kastenkrippe. Die Darstellung kann dabei sowohl alpenländisch wie auch orientalisch sein, ausschlaggebend ist bei der Kastenkrippe, daß sie in Kastenform gebaut ist, das heißt, weitgehend eingebaut und bloß an der Vorderseite und eventuell auch an der Oberseite frei ist. Eine Form von Kastenkrippe ist auch die in letzter Zeit ganz aktuell gewordene Art, das Krippengeschehen in große Laternen einzubauen.

Wurzelkrippe
Ebenfalls als eine eigene Art zu betrachten ist die Wurzelkrippe, die wie die Kastenkrippe auch, alpenländisch oder auch orientalisch gestaltet sein kann. Das Herzstück dabei bildet eine markante Wurzel, ein Stück Schwemmholz oder ein knorriger Ast, wie es die Natur den Krippenbauern (angenehmer Weise) oft regelrecht vor die Füße wirft. Selbst ein mehr oder minder handlicher Wurzelstock kann als Basis für die Wurzelkrippe dienen. Je nach Richtung, alpenländisch oder orientalisch, könnte hier sogar die Krippe in eine der beiden Hauptarten eingereiht werden.

Osterkrippe / Passionskrippe
Da Krippen nicht unbedingt direkt mit der Weihnachtsgeschichte in Verbindung stehen müssen, gibt es auch solche, die sich mit anderen Stationen der Heiligen Schrift auseinandersetzen und das übermittelte Geschehen darstellen. Eine Art dieser „Nichtweihnachtskrippe“ ist die Osterkrippe, oder auch als Passionskrippe bezeichnet. Hier wird die Ostergeschichte meist in mehreren Szenen dargestellt und kann daher auch das „Letzte Abendmahl“, der „Verrat Jesu“ bis hin zur Geißelung und Szenen vom Kreuzweg bis zur Kreuzigung und Grablegung darstellen. Meist fix integriert sind auch die Szenen der Auferstehung und die „Christi Himmelfahrt“. Eine besonders sehenswerte Osterkrippe, vermutlich aus dem Jahr 1719, befindet sich in der Kalvarienbergkirche am Philippsberg in Schwanenstadt (Oberösterreich) und ist alljährlich an den Ostertagen (Gründonnerstag bis Karsamstag) zu besichtigen.

Jahreskrippe / Ganzjahreskrippe
Das Leben Jesu in mehreren Stationen darzustellen ist eine besondere Herausforderung und läßt sich kaum in einer einzigen Krippe darstellen, weshalb sich eine Jahres- bzw. Ganzjahreskrippe meist als Wechselszenen-Darstellung präsentiert. Bei der Ganzjahreskrippe sind der Gestaltungsfreiheit des Erbauers kaum Grenzen gesetzt, es ist aber sicher nötig, sich mit dem Alten und Neuen Testament eingehend auseinanderzusetzen, um die Szenen auch dementsprechend übermittlungsgemäß darzustellen. Eine der beeindruckendsten Ganzjahreskrippen konnte ich in einem eigens dafür adaptierten Nebengebäude der Franziskanerkirche in Bad Tölz entdecken und besichtigen.

Stilkrippe
Diese Art der Krippen soll in dieser Listung sicher auch ihren fixen Platz bekommen, denn es gibt immer mehr Krippenbauer, die sich in dieses Segment wagen. Eine Stilkrippe „stilisiert“ das Heilige Geschehen, meist die Geburt Christi, als Mittelpunkt dieser Krippe. Als „Rahmen“ dient vorwiegend die Vorlage eines Tempels, in den die weihnachtliche Szene eingebaut ist und sich dabei in den meisten Fällen, neben dem Gebäude, auf die Heilige Familie beschränkt.
Sehr oft werden auch moderne Darstellungen der Geburt Christi als Stilkrippe bezeichnet, was grundsätzlich nicht falsch ist, denn das Geschehen wird stilisiert“ dargestellt.

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